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The New York Experience: 6. Woche, 20.08-27.08




Treffen mit dem Mayor und Adele, 21.08.2006

Werbung wird im Central Park einfach an den Himmel gemalt,
Ich habe mir vorgenommen den Central Park mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und nicht nur herum zu rennen. Es ist schon ein lustiges Örtchen, angeblich der grösste künstlich angelegte Park der Welt. 16 Jahre haben die Bauarbeiten gedauert und die Sprengungen haben sogar einige Menschenleben gekostet. Man hat allerhand künstliche Seen und Hügellandschaften angelegt, und es gibt sogar ein kleines Schloss - das Belevedere Castle - mit einer amerikanische Fahne oben 'drauf, das sieht sehr unpassend aus.
Die New Yorker sind auch sehr stolz auf ihre Gute Stube und am Wochenende tummelt sich die halbe Satdt auf den Wiesen und Pfaden. Berühmt sind die "Shakespeare in Central Park" Veranstaltungen, bei denen die Tickets frei vergeben werden. Echte Stars werden da jedes Jahr aufgeboten, dieses Jahr mit Meryl Streep und Kevin Kline gleich zwei Oscar-Preisträger.








Belvedere Castle,
Blick vom Castle.


Ausserdem gibt es die Strawberry Fields, in der Nähe der Stelle wo John Lennon erschossen wurde. Da gibt es ein Mosaik als Gedenkplatz und als ich da vorbeischaue sitzen gleich drei Gitarrenspieler da und spielen zusammen Yesterday. Ein bisschen arg schnulzig, denke ich mir.

Der Bürgermeister des Central Park

Bei meinen Jogging-Ausflügen ist mir immer wieder ein alter Mann aufgefallen der jeden Tag am Reservoir sitzt und von Touristen und Joggern angesprochen wird. Heute sehe ich mir Fotos an die in der Nähe des Sees ausgestellt sind und ich erkenne ihn auf einigen Bildern wieder, auf denen er mit berühmten Leuten zu sehen ist. Sein Name ist Alberto Arroyo, man nennt ihn auch den Mayor des Central Park und ich erinnere mich jetzt, dass ich mal im deutschen Fernsehen einen Bericht über ihn gesehen habe. Er kann wohl mit Fug und Recht behaupten einer der Begründer der modernen Fitness Bewegung zu sein, schliesslich begann er bereits 1935 täglich um das Reservoir zu laufen. Mittlerweile ist er 90 und joggt nicht mehr, aber mehr als 50 Jahre lang ist er mit Grössen wie Jackie Kennedy und Bill Clinton gelaufen. Ich spreche ihn an, und frage erstmal vorsichtig ob er das auf den Bildern ist und er bejaht und erzählt mir von seiner Medaille von der nur fünf in der Olympia Schmiede geprägt wurden, für eine einbeinige Kilimandscharo-Besteigerin, für den letzten geretteten Überlebenden aus dem World Trade Center, und für ihn, für 50 Jahre Verdienste für die Fitness Bewegung. In einigen Hollywood Filmen hatte er Miniauftritte, und nun kommt er immer noch jeden Tag zum Pfad ums Reservoir der eigentlich einmal für Wartungsarbeiten angelegt wurde, wie er mir erzählt. "Ich habe daraus einen Laufpfad gemacht" sagt er und klopft sich auf die Brust. Vor langer Zeit.

Mosaik im Strawberry Field.
Ich und der Bügermeister.


Adele schlägt Mona Lisa um Längen

Teuerstes Gemälde der Welt:
Klimts Adele Bloch-Bauer I
An den Central Park grenzt auf der Höhe der 86ten Strasse die Museumsmeile mit einigen der renomiertesten Museen der Welt. Das riesige Metropolitan Museum ragt tief in den Central Park hinein und dann gibt es noch das Guggenheim und einige andere Häuser. Irgendwann muss ich diese Läden alle aufsuchen, kann ja nicht aus New York weggehen ohne diese Kulturstätten abzuhaken. Das MOMA und die Frick Collection stehen auch noch auf dem Programm, aber als Einstiegsdroge haben wir uns die Neue Galerie ausgeguckt, da geht es um österreichische und deutsche Maler und insbesondere hängt dort seit einigen Wochen Gustav Klimts Porträt von Adele Bloch-Bauer, das teuerste Gemälde der Welt, das spektakulär für 135 Millionen Dollar von einem Milliardär ersteigert wurde um es daraufhin der Neuen Galerie zur Verfügung zu stellen. Aus Anlass der Neuerwerbung sind momentan vier weitere Werke von Klimt zu sehen, also nix wie hin. Das Museum ist in einer sehr gediegenen Villa und besteht eigentlich nur aus wenigen Räumen. Man kann sich hier wirklich für jedes Bild etwas Zeit nehmen und muss nicht wie im Louvre mit Karte durchhetzen. Die Bilder und Exponate sind wirklich toll, eine sehr beeindruckende Auswahl. Und das Porträt von Adele macht wirklich was her. Während mich als Kunstbanause andere weltberühmte Gemälde wie die Mona Lisa völlig kalt liessen, bin ich vom Klimt begeistert. Man darf leider keine Fotos machen deshalb muss ich ein Poster abfotografieren um einen Eindruck von Adele festzuhalten. Das ist ein Museum nach meinem Geschmack, man kommt nach zwei Stunden raus und hat wirklich alles gesehen. Kunst in allgemeinverträglicher Dosis.










Lost in New York, 23.08.2006

Am Sonntag abend habe ich mir den ersten mittelprächtigen Rausch hier angetrunken, ganz aus Versehen. Bin mit einem Kollegen von der Grand Central Station losgezogen und eigentlich wollten wir nur noch ein St. Pauli Girl trinken. Das ist ein deutsches Bier für das hier überall Werbung gemacht wird. Auf dem Etikett ist ein blondes Mädel im Dirndl, das Ganze soll typisch für St. Pauli sein, wird aber in Bremen gebraut. Muss ein ziemlich perverser Saft sein. Leider sind wir nicht fündig geworden und sind dann in einen englischen Pub eingekehrt. Der Barkeeper hat uns - weiss der Henker warum - jedes zweite Bier aufs Haus ausgegeben, und wir fühlten uns verpflichtet seine Gastfreundschaft nicht einfach mit den Füssen zu treten. Weil es kein St. Pauli Girl gab mussten wir mit Heineken vorlieb nehmen, und das ist ja bekanntlich die Rache der Holländer für die ganzen Wohnwagenwitze. In das Zeug brauen die absichtlich schlimmste Fuselstoffe und Kopfschmerz-Enzyme die am nächsten Tag an des Trinkers Hypophyse nagen wie Angela Merkel an unserem Geldbeutel.

Ich weiss nicht mehr genau wie ich nachhause gekommen bin, ich erinnere mich aber, dass ich etwa um drei Uhr für zwanzig Minuten geduldig an einer verlassen Subway Station sass, bis ich gemerkt habe, dass die nachts nicht mehr angefahren wird. Dann bin ich wieder raus und etwas planlos durch die Gegend geirrt. So wird das nix, hab ich mir gedacht und wollte mich als erfahrener Westerwälder an den Gestirnen orientieren. Ist nur doof wenn man dabei immer ein Auge zukneifen muss, weil man sonst alles doppelt sieht. Ausserdem war immer irgendetwas im Weg und hat den Blick zum Firmament blockiert. Das war echt nervtötend, bis ich gemerkt habe, dass es das Chrysler-Building ist, dass mir da den Blick zum Himmel versperrt. Aha, sagten meine wenigen restaktiven grauen Zellen, also kann ich nicht weit vom Central Terminal entfernt sein. Jetzt weiss ich auch wofür die ganzen Wolkenkratzer eigentlich gut sind, damit man im besoffenen Kopp weiss wo man entlang stolpern muss. Famose Einrichtung!
So gegen vier war ich dann zuhause und hab noch ein wenig im HSV-Forum geschmökert. Ein bisschen Kultur muss sein zum Abschluss des Tages. Über Montag will ich lieber nicht reden, da streiten sich die Zeugen noch ob ich auf der Arbeit war, oder ob ein Zombie sich an meinem Schreibtisch eingefunden hatte.

Hallenfussball bis zum Abwinken

Mittlerweile bin ich wieder voll einsatzfähig und heute abend war dann wieder Fussball angesagt, diesmal wirklich in der Halle. Am Anfang waren nur acht Leutchen da, also mussten wir vier gegen vier spielen, ohne Auswechselspieler; also ohne Pause. Das hat schon ganz schön geschlaucht, aber dann haben die ersten aufgehört und dafür kamen andere dazu die dann immer weiter und weiter spielen wollten. Ein paarmal wollte ich gehen, aber dann wurde immer gesagt dass ich noch bleiben muss, weil sonst die Mannschaften unausgeglichen sind. Und irgendwann war ich dann zu schwach um überhaupt noch zu protestieren; bin einfach dageblieben bis das Licht ausging. Auf den Muskelkater morgen bin ich mal gespannt, mir bleibt hier wirklich nix erspart.






Metropolitan Museum im Schnelldurchlauf, 27.08.2006

Mir ist aufgefallen, dass mir nur noch wenige Wochen bleiben und ich noch einige Pflichtveranstaltungen auf meiner ToDo-Liste habe, zum Beispiel einen Besuch des Metropolitan Museum of Art, ein absolutes Muss laut meinem Reiseführer. Weil das Wetter dieses Wochenende sowieso trüb und regnerisch ist habe ich mir Samstag Nachmittag das Metropolitan vorgenommen, obwohl ich auch noch Joggen gehen will und abends mit Kollegen zum Essen verabredet bin. Also muss das Ganze ohne Trödelei vonstatten gehen. Um ca. 14:00 schlage ich im Museum auf, nach meiner Schätzung bleiben mir damit 2 1/2 Stunden damit ich noch meine Runde im Park drehen kann. Eine echte Herausforderung, ist schliesslich eines der grössten Museen der Welt.


Ägyptische Sarkophage,
European Sculptures,
und natürlich Vincent van Gogh.


An der Kasse bekomme ich eine Übersichtskarte des Museumkomplex in die Hand gedrückt, aber die gucke ich mir erst gar nicht an, sondern schreite sofort in den ersten Flügel der vollgestopft ist mit ägyptischen Artefakten. Ägypten hatte ich letztes Jahr schon zweimal in Berlin und Chicago, deshalb müssen hier 5 Minuten reichen, ausserdem: Mumien stinken. Also, "Grab des Pernep", gesehen; "Tempel von Dendur", abgehakt; "Statue von Hatseputh", alles klar, noch was? Nee, dann raus hier. Liege gut in der Zeit. Durch den American Wing renne ich nur durch, was soll es da schon Sehenswertes geben, dann geht es in die Robert Lehmann Collection, da gibt es einige hübsche Gemälde, Skulpturen und Teppiche. Von da geht es in die Waffen und Rüstungsaustellung. Die meisten Rüstungen kommen aus Deutschland, kein Wunder, wenn die Engländer und Italiener früher so Waffen geschmiedet haben wie sie heute Autos bauen, dann ist der ganze Kram mittlerweile sicherlich weggerostet.
Dann geht es in den Innenhof eines spanischen Schlosses den sich ein verrückter New Yorker komplett in sein Stadthause hatte einbauen lassen, und der jetzt im Museum gelandet ist. Als nächstes kommt der European Sculpture Court, sehr schön, und dann gibt es noch eine Sonderausstellung über britische Mode, also da muss ich ja nun wirklich nicht hin. Modern Art lasse ich auch erstmal sein, die berühmten Sachen stehen ja doch im MoMA. Schliesslich bin ich schon fast eine Stunde unterwegs und habe die wichtigen Gemäldeaustellungen noch vor mir. Während ich die Treppe in den zweiten Stock nehme sehe ich im Vorbeilaufen einen Aushang dass die Dachaustellung wegen schlechten Wetters geschlossen ist. Sehr gut, das spart mir wieder mindestens 15 Minuten.


Nochmal Van Gogh, ist nunmal der Beste,
Rembrandts Selbstbildnis.


Jetzt wird es ernst, europäische Künstler des 19. Jahrhunderts, da gibt es einige Leckerbissen, also kann ich mein Tempo nicht halten. Renoir, Rodin, Monet, Manet, Degas und natürlich vor allem Van Gogh verdienen meine Aufmerksamkeit. Von einigen der Gemälden kann ich mich nur schwer losreissen, aber es gibt ja noch mehr zu sehen. Eine Sonderausstellung von Rembrandt-Skizzen zum Beispiel. Aber die sind ja alle Schwarzweiss, braucht man nicht so lange anzugucken. Nebenan ist ein Cafe, und ich frage mich ob ich schnell ein paar Kohlenhydrate einwerfen soll, jetzt bloss keinen Hungerast kriegen. Aber die Schlange an der Kasse ist einfach zu lang, das würde mich völlig aus dem Zeitplan werfen, also weiter, da gibt es noch chinesische Kunst, koreanische Kunst, japanische Kunst, islamische Kunst und südostasiatische Kunst. Die mache ich alle im Sprint, ist nicht so mein Ding. Doch dann lockt noch der Flügel mit alten europäischen Meisterwerken, gespickt mit Hochkarätern wie Rubens, Titian, Vermeer, Raphael, Velasquez und Rembrandt. Sehr beeindruckend, das dauert ganz schön lange, bis ich da durch bin. Jetzt muss ich noch in die moderne Kunst im zweiten Stock, da gibt es auch einige grosse Namen (Matisse, Picasso). Aber trotzdem sehen die meisten Gemälde dort für mich aus wie Tapezierunfälle, also noch schnell durch eine Galerie von berühmten Photographien durch und dann nix wie raus hier und ab in die U-Bahn.

Moderne Kunst halt,
deutsche Wertarbeit.



Alle New Yorker sind Mädchen

OK, hab mich genau an mein Zeitlimit gehalten, und zuhause angekommen breche ich auch sofort wieder zum Joggen auf. Als ich im Central Park ankomme, erwartet mich ein seltsames Bild: der Loop ist leer. Kein einziger Jogger ausser mir, erst als ich um eine Kurve biege sehe ich zwei einsame Gestalten in einiger Entfernung. Auch am Reservoir, wo man sich sonst von Horden von Läufern geradezu bedrängt fühlt ist heute nix los. Dabei regnet es noch nicht mal und ist auch nicht wirklich kalt, sind nur ein paar Wolken am Himmel. Aber der gemeine New Yorker scheint vollständig auf Hallensport umzusteigen, sobald er keinen direkten Blickkontakt zur Sonne herstellen kann.

Dinner in Chinatown

Nach dem Duschen mache ich mich sofort auf zum Treffpunkt, komme mir wirklich gestresst vor und freue mich schon auf ein gemütliches, ruhiges Abendessen. Wir sind zu siebt, inklusive eines Gastes aus Israel nebst Ehegattin, deshalb wurde auch bereits ein Tisch in einem Restaurant reserviert, und zwar in Chinatown. Auf dem Weg zum Restaurant fällt mir wieder ein warum ich die chinesischen Bezirke in den meisten Grosstädten meide, und zwar weil da Sachen in den Schaufenstern von Fliegen umschwirrt werden für die man zuhause den Kammerjäger rufen würde, die hier aber zum Verzehr vorgesehen sind. Als wir im Lokal eintreffen verschlägt es mir etwas die Sprache, eine Seite des Ladens ist komplett aus Aquarien gebaut in denen sich allerhand Meeresbewohner tummeln. Fische, Krabben, Riesenshrimps, Tintenfische und sonstiges abartiges Gewürm paddelt und stinkt da vor sich hin. Die Viecher kann man sich aussuchen und dann direkt zubereiten lassen. Na super, soviel zum gemütlichen Dinner. Ich setze mich mit dem Rücken zu der Aquariumwand, aber das hilft auch nix, ich spüre wie sich hunderte von Blicken in meinen Hinterkopf bohren und höre das Schaben der Krabben direkt hinter mir. Ausserdem werden alle paar Minuten riesige lebendige Hummer an unserem Tisch vorbei getragen.
Vor lauter Schreck bestelle ich vegetarisch, ich will sicher gehen, dass kein Meeresgewürm auf meinem Teller landet. Stolz verkündet Daniel, dass der Schuppen zum besten chinesischen Restaurant in New York gewählt wurde, und zwei Michelin-Löffel besitzt. Die Urkunden dazu finde ich auf dem Klo. OK, das Essen ist schon ganz gut, wir bekommen eine ganze gebratene Ente vorgesetzt, aus der man vor unseren Augen kleine Hamburger bastelt die wirklich sehr schmackhaft sind. Tatsächlich bestellt niemand an unserem Tisch Fisch und wir teilen einfach sämtliche Bestellungen damit jeder von allem probieren kann. Am Ende sind wir alle pappsatt und machen uns kugelrund auf den Nachhauseweg. Trotzdem ist damit ein Chinabesuch auf meiner Wunschliste noch unter eine gepflegte Darmspiegelung gerutscht.


Zuletzt geändert am 10.09.2006 H. Kreckel